Das Problem weltweit
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in Europa, den USA und in vergleichbar entwickelten Ländern weniger als ein Prozent der verkauften Arzneimittel gefälscht sind. Anders hingegen in den Entwicklungsländern: Hier machen nach Ansicht der Experten Medikamentenfälschungen bis zu zehn Prozent aus. Je schwächer die rechtliche Aufsicht, desto stärker sei die Problematik. In bestimmten Ländern des ehemaligen Ostblocks seien über 20 Prozent und in bestimmten Gebieten Afrikas, Asiens und Südamerikas sogar mehr als 30 Prozent der gehandelten Arzneimittel Fälschungen. Bei diesen pauschalen Zahlen müsse berücksichtigt werden, dass das Ausmaß der Problematik beispielsweise sehr stark von der jeweiligen Region eines Landes und temporären Angeboten abhängen könne. Aber: Dubiose Online-Anbieter von Medikamenten, die ihre wahre Adresse verheimlichen, lieferten weltweit – und damit auch in Länder wie Deutschland – zu über 50 Prozent Fälschungen.
Es ist nicht seriös ermittelbar, ob und in welchem Maße die aufgetretenen Fälle lediglich die „Spitze des Eisbergs“ darstellen. Zumindest als Trend lässt sich feststellen, dass Medikamentenfälschungen in unserer globalisierten Welt nicht mehr nur ein Problem der Entwicklungsländer sind:
Urlauber kaufen ganz selbstverständlich Arzneimittel auf Auslandsreisen (und bringen diese in einigen Fällen, auch wenn dies verboten ist, für Familienmitglieder und Bekannte nach Deutschland mit). Klassische Marktstrukturen und Handelswege werden liberalisiert, um durch zusätzliche Anbieter das Preisniveau zu senken. Und nicht zuletzt: Spätestens das Internet hat den Vertrieb und Bezug der unterschiedlichsten Waren globalisiert.
Traurige Bilanz von Arzneimittelfälschungen
Die Folgen, die aus der Verbreitung gefälschter Medikamente entstehen, sind oft grausam:
- Nach entsprechenden Berichten starben 1990 in Nigeria mehr als 100 Kinder an einem mit giftigen Lösungsmitteln gestreckten Hustensaft.
- Fünf Jahre später verloren ca. 2.500 Menschen ihr Leben, weil sie mit einem vermeintlichen Impfstoff gegen Meningitis behandelt wurden, der lediglich Wasser enthielt.
- In Kenia und einigen süd-ostasiatischen Ländern stellten sich angebliche Anti-Malaria-Präparate als wirkungslos heraus und in Haiti überlebten 1996 mindestens 59 Kinder die Behandlung mit einem gefälschten Fiebersirup nicht.
Weiterführende Informationen finden Sie unter den Links auf der Seite Organisationen, Verbände und Behörden.

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