Hintergrund
- Wer ist von Fälschungen betroffen?
- Was sind Fälschungen?
- Gibt es mit Fälschungen vergleichbare minderwertige Produkte?
- Welche Risiken bestehen für die Gesundheit?
- Beispiele
Die Fälschung von Arzneimitteln ist für den Fälscher besonders lohnend. Er nutzt schlicht den guten Ruf der Produkte des Originalherstellers, den dieser durch die Qualität seiner Medikamente sehr aufwändig geschaffen hat, für seine Zwecke aus. Während es dem Fälscher vor allem darauf ankommt, ein äußerlich mit dem Original unverwechselbares Produkt zu vertreiben, interessiert ihn die ordnungsgemäße Beschaffenheit des Inhalts nicht. Er kann seine Produkte gleichsam im „Hinterhof“ produzieren; die umfangreichen und höchsten Aufwand erfordernden gesetzlichen Vorgaben zur qualitätsgerechten Herstellung von Arzneimitteln interessieren ihn nicht. Schon damit hat er – von fehlenden Forschungsaufwendungen einmal abgesehen – im Vergleich zum Originalhersteller unschlagbare Kostenvorteile. Bedenkt man zudem, dass in vielen Ländern das Risiko wirksamer Bestrafung relativ gering ist, versteht man, dass sich die Fälschung von Arzneimitteln lukrativer als etwa der Drogenhandel erweisen kann (ohne in gleichem Maße verfolgt und bestraft zu werden). Auch wenn Fälschungen oftmals in Hinterhofwerkstätten produziert werden, handelt es sich bei den Auftraggebern und Hintermännern dieses kriminellen Geschäfts oftmals um hochprofessionelle kriminelle Netzwerke.
Im Vergleich zu anderen Fällen der Produktpiraterie bzw. -fälschungen dürften die Patienten, die Arzneimittelfälschungen kaufen, im guten Glauben handeln, das Original zu erwerben. Der Fälscher legt es also regelmäßig darauf an, einem gutgläubigen Patienten Geld aus der Tasche zu ziehen, wobei ihm dessen Leben oder Gesundheit völlig egal sind.
Wer ist von Fälschungen betroffen?
Gefälscht wird, was Geld bringt. Das betrifft patentgeschützte Arzneimittel genauso wie so genannte „Generika“. Besonders lukrativ für dubiose Geschäftemacher sind teure rezeptpflichtige Arzneimittel etwa für die AIDS- und Krebstherapie. Antibiotika sind weltweit wohl am häufigsten betroffen. Zunehmend stehen auch so genannte „Lifestyle“-Medikamente wie etwa Potenzmittel ganz oben auf der Liste. Deshalb ist jeder Patient zumindest theoretisch in Gefahr, auch wenn sich praktisch nationale Besonderheiten ergeben. Der deutsche Patient beispielsweise sollte sich dringend über den Bezug von Arzneimitteln über das Internet informieren sowie beim Erwerb auf Auslandsreisen Vorsicht walten lassen.
Was sind Fälschungen?
Als Fälschungen bezeichnen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der internationale Pharmaverband (IFPMA) Arzneimittel, die hinsichtlich ihrer Identität und/oder Herkunft vorsätzlich und in betrügerischer Absicht falsch gekennzeichnet sind.
Vereinfacht gesagt geht es vor allem um Arzneimittel, die so, wie sie dem Patienten angeboten werden, entweder gar nicht oder nicht in der Form vom Originalhersteller stammen. Ausgenommen sind aber nachträgliche Veränderungen, soweit diese ordnungsgemäß und rechtmäßig erfolgten. Die Spanne reicht von Totalfälschungen, die gänzlich vom Fälscher hergestellt wurden, bis zu Originalprodukten, bei denen das Verfallsdatum verlängert wurde. Beispiele für Arzneimittelfälschungen sind Medikamente, die
- den richtigen Wirkstoff, aber in zu hoher oder zu niedriger Dosierung beinhalten,
- hinsichtlich des Verfallsdatums manipuliert wurden,
- keinen Wirkstoff aufweisen,
- einen anderen als den angegebenen Wirkstoff besitzen oder
- mit gefälschten Verpackungen, Blistern und/oder Beipackzetteln angeboten werden.
Ein solches „Arzneimittel“ ist leider in vielen Fällen weder von Laien noch von Ärzten und Apothekern ohne nähere Informationen zu erkennen.
Gibt es mit Fälschungen vergleichbare minderwertige Produkte?
Zunehmend ist zu beobachten, dass kriminelle Organisationen Produkte anbieten, die angeblich gleichwertig mit bestimmten Originalpräparaten oder deren Wirkstoffen sind. Um einem Missverständnis gleich vorweg vorzubeugen: Es gibt namhafte Hersteller so genannter „Generika“, also Hersteller von Medikamenten, die nach Ablauf des Patentschutzes des ursprünglichen Herstellers Produkte unter anderem Namen in vergleichbarer Qualität anbieten. Auch Generikahersteller können Opfer von Fälschungsaktivitäten werden. Wenn Ihnen aber dubiose Firmen etwa über das Internet rezeptpflichtige Arzneimittel ohne Vorlage eines Rezepts anbieten und behaupten, diese seien gleichwertig mit einem Ihnen bekannten Medikament, ist höchste Vorsicht geboten. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker über die Qualität zweifelhafter Offerten.
Welche Risiken bestehen für die Gesundheit?
Menschen nehmen Medikamente, um ihre Krankheiten zu behandeln und gesund zu werden. Es dürfte klar sein, dass es einem Arzneimittelfälscher für seine Zwecke nicht darauf ankommt, ein mit dem Original qualitativ gleichwertiges Arzneimittel bereitzustellen. Die Gefahren sind offensichtlich bei gefälschten Produkten, die schon ihrer Natur nach, etwa bei in ihnen enthaltenen Giftstoffen oder Verunreinigungen, den Patienten oder Verbraucher schädigen. Aber selbst außerhalb derartig „krasser“ Fälle weisen Fälschungen regelmäßig eine mindere Qualität, beispielsweise hervorgerufen durch fehlerhafte Herstellungsprozesse oder Lagerung, auf. Zudem: Selbst wenn die Fälschung gewisse Wirkstoffe enthält, kann die mindere Qualität oder Quantität derselben etwa zum Versagen einer Impfung, eines Testergebnisses oder zur Resistenz gegen den eigentlichen Wirkstoff führen. Nicht ohne Grund schreibt der Gesetzgeber ein aufwändiges Verfahren für die klinische Prüfung, Zulassung und Nachbeobachtung von Arzneimitteln vor.
Letztlich können mangelhafte Informationen über die Indikation, die Anwendung etc., selbst bei originalem Inhalt, zu erheblichen Gefahren und Schäden führen. In extremen Fällen fügt der Fälscher seinem Produkt gefährliche Stoffe bei, um eine „Wirkung“ (genauer: eine Nebenwirkung und keine heilende Wirkung) wie die des Originalmedikaments zu erreichen. Die Einnahme eines gefälschten Arzneimittels gleicht also immer dem „Russisch Roulett“.
Beispiele
- Bei Einnahme eines Originalmedikaments zur Behandlung schwerster Erkrankungen tritt Übelkeit als unvermeidbare Nebenwirkung auf. Dies ist den Patienten, die auf das Produkt angewiesen sind und es regelmäßig einnehmen, bekannt. Der Fälscher kann sich bemühen, eine ähnliche Nebenwirkung mit einer seinem Produkt beigefügten Menge Giftes hervorzurufen, um dem Patienten die Einnahme des Originals vorzutäuschen.
- Ein gefälschtes Potenzmittel enthält Abwandlungen des Originalwirkstoffes, die niemand klinisch geprüft hat. Vielleicht mixt der Fälscher auch mehrere Wirkstoffe zusammen. Hier kann es zwar zu einer „sichtbaren“ Wirkung kommen – aber was der Patient wirklich (und in welcher Dosis) eingenommen hat und wie es langfristig auf ihn wirkt, weiß er nicht.

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