„Berlin im Dialog“: Reformen im Gesundheitswesen angemahnt

Photo of "Berlin im Dialog" event

Der langjährige gesundheitspolitische Expertenworkshop „Berlin im Dialog“ (bekannt als "Bad Orber Gespräche") hat die Transformation geschafft: mit geändertem Namen, angepasstem Logo und neuem Chairman. Unter Anwesenheit von Dr. Daniel Steiners, Geschäftsführer der Bayer Vital und zahlreichen Gästen wurde die von der Abteilung Health Policy der Bayer Vital organisierte Veranstaltung erfolgreich in Berlin durchgeführt.

Mit großem Elan hat die Ampel-Koalition vor fast zwei Jahren ihren Weg als „Fortschrittskoalition“ begonnen. Allerdings, so konstatierte der neue Chairman Prof. Ulrich, sind derzeit 60 Prozent der Maßnahmen aus dem Koalitionsvertrag für das Gesundheitswesen noch nicht erfüllt. Zudem steht die gesetzliche Krankenversicherung weiter unter finanziellem Druck. Grund genug für die Expert*innen aus Politik, Selbstverwaltung, Wissenschaft und Industrie für Reformen zu werben. Zwei Tage lang wurde intensiv über die Notwendigkeit von Verbesserungen im Krankenhaus- und Arzneimittelbereich diskutiert.

Dass die Pharma-Branche stabile Rahmenbedingungen benötigt, um langfristig weiterhin am Standort Deutschland zu forschen und zu produzieren, betonte Dr. Daniel Steiners in seiner Eröffnungsrede. Das sei auch deshalb geboten, weil Deutschland im internationalen Vergleich bei der Durchführung klinischer Studien auf den siebten Platz abgerutscht ist. Es sei ein Widerspruch, einerseits Erstattungsbedingungen zu verschlechtern, aber gleichzeitig Innovationen fördern zu wollen. Steiners mahnte: „Erstattungs- und Forschungspolitik muss zusammengedacht und zusammengebracht" werden. Prof. Dr. Edgar Franke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, skizzierte die weiteren Vorhaben des Ministeriums für die zweite Hälfte der Legislaturperiode. Er äußerte sich optimistisch: "Mut für Reformen sollte unsere Devise sein" und unterstrich, dass Forschung und Entwicklung ohne eine effektive Nutzung von Gesundheitsdaten nicht möglich seien.
 
Die Auswirkungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes (GKV-FinStG) auf die Versorgung und die Folgen für die pharmazeutische Industrie wurden am zweiten Tag der Veranstaltung kontrovers diskutiert. Thomas Müller, Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium, machte deutlich, dass er sich „extrem dafür einsetzt, einen verlässlichen Rahmen“ für die Hersteller zu schaffen. Neue Maßnahmen aus dem Erstattungsbereich sollten, so Müller, „in sich rational und berechenbar“ sein. Kritisch wurden in der Diskussion insbesondere die Instrumente aus dem GKV-FinStG, die sogenannten Preis-Leitplanken und der Kombinationsabschlag, erörtert. Statt eines finanziellen Gewinns sei durch diese Maßnahmen ein Vertrauensverlust in der Industrie entstanden. 
 
„Berlin im Dialog“, kurz „BiD“, hat sich als streitbarer Workshop erwiesen, in dem die große Bandbreite unterschiedlicher Standpunkte präsentiert wurde. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden über den Ausgang des hochkarätigen Expertenworkshops, der wieder von interessanten Vorträgen, renommierten Referenten und offener Diskussion lebte.

Transformation geglückt: Aus den „Bad Orber Gesprächen“ wurde “Berlin im Dialog“ 
Die gesundheitspolitische Gesprächsrunde der Bayer Vital GmbH wurde 1995 in dem gleichnamigen hessischen Kurort durch die Schering GmbH gegründet. Seit 2007 lädt die Abteilung Health Policy der Bayer Vital GmbH gemeinsam mit dem Krankenhausunternehmen Vivantes Gesundheitsexpert*innen nach Berlin ein, um aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik zu diskutieren. Neuer Chairman ist seit diesem Jahr der Volkswirt Prof. Dr. Volker Ulrich (Universität Bayreuth). Mit einem neuen Namen „Berlin im Dialog – Gesundheitswesen kontrovers diskutiert“, der den langjährigen Veranstaltungsort widerspiegelt und weiteren Neuerungen wurde eine Transformation eingeleitet.